Mein erster Usability-Test

Was und wie wichtig die Benutzerfreundlichkeit ist, habe ich schon in verschiedensten Beiträgen erläutert. Worauf ich noch nicht eingegangen bin ist das Usability-Testing an sich. Das hole ich hiermit nach.

Als erstes eine kurze Antwort zur Frage, wann Usability-Tests sinnvoll sind: immer! Am besten so früh wie möglich (bei der Konzeption) bis gegen Projekt-Ende (Testing-Phase). Bei der intensiven Arbeit am Projekt geht die Sicht von aussen leider verloren. Deshalb ist es schon im frühen Projektstadium wichtig, die User-Zielgruppe beizuziehen. Je früher Probleme bemerkt werden, desto einfacher, kosten- und zeitgünstiger können sie gelöst werden.

Der Ablauf eines Usability-Tests ist je nach Projektstadium etwas anders. So stehen lediglich Skizzen oder bereits ein Klick-Prototyp zur Verfügung. Grundsätzlich kann der Ablauf wie folgt schematisch zusammengefasst werden.

Als erstes wird die Testperson (die zur Zielgruppe passt) begrüsst und mit etwas Smalltalk aufgelockert. Anschliessend wird der Ablauf erklärt, dabei wird vor allem darauf eingegangen, dass es nicht Sinn und Zweck ist die Person zu testen sondern die Seite. Je nach Test ist es sinnvoll, während des Tests zu filmen. Darauf muss selbstverständlich hingewiesen werden. Obwohl ich den Ablauf bestens kannte, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass dies den Nutzer doch nervös macht. Deshalb hilft es, wenn man während des Testes die eigene Aufnahme nicht sieht.

Nun kann der Test beginnen. Als erstes ist es sinnvoll, nach dem ersten Eindruck der Architektur oder sogar des Prototypen zu fragen. Ob die Navigationspunkte verstanden werden, die Seite übersichtlich oder überladen ist etc. Wenn die Test-Person von sich aus nicht viele Antworten liefert, muss der Test-Begleiter eventuell etwas mehr nachhaken.

Anschliessend werden der Test-Person einige kleine Aufgaben auferlegt. So soll sie bestimmte Aktionen auf der Seite ausführen (z.B. eine Reise buchen oder eine bestimmte Information suchen). Damit kann getestet werden, wie gut die Navigation wirklich aufgebaut ist, wo sich der Nutzer verklickt hat oder verloren fühlt. Während der Aktion beobachtet der Test-Begleiter die Test-Person aufmerksam und stellt immer wieder einige Fragen (Beispiele):

  • Warum haben Sie jetzt das angeklickt?
  • Was haben Sie unter diesem Menupunkt erwartet?
  • Verstehen Sie was unter dem Navigationspunkt XY zu finden ist?

Nach den Aktionen wird zu einem allgemeinen Feedback übergegangen. Der Test-User erklärt, wie schwer/leicht es ihm gefallen ist, die Aufgaben zu lösen. Der erste Eindruck wird somit nach dem Testen nochmals verglichen und ein endgültiges Fazit abgegeben.

Je nach Aufwand fürs Testing seitens des Test-Users ist eine Entschädigung sinnvoll. Diese sollte weder zu hoch (User bemängelt sehr viel, er bekommt ja auch viel Geld dafür. Dabei sind diese Mängel gar nicht so bedeutend) noch zu tief (geringe Motivation mitzumachen oder überhaupt daran teilzunehmen) sein. Für eine Stunde sind je nach Test etwa 50-80 CHF im Rahmen.

Wichtig ist es, mehrere Tests in mehreren Iterationen durchzuführen. Wie viele Test-User sinnvoll sind, darüber diskutieren viele Usability-Experten. Meiner Meinung nach ist es abhängig vom Projekt. Ich denke, ca. 3-5 User pro Durchgang machen durchaus Sinn. Und selbst wenn es nur für eine Person reicht – immernoch besser als keine! Wichtiger ist es hier, die Verbesserungen vorzunehmen und weitere Iterationen durchzuführen, um Fortschritte beim Bedienen feststellen zu können. Dazu werden meist neue Test-User eingeladen. Leider wird die Seite nie perfekt sein und es werden sich nie alle problemlos darauf zurecht finden. Hier ist es wichtig, dass sich Nutzen und Aufwand die Waage halten. Diesen Punkt zu finden, ist allerdings nicht einfach.

Als Fazit zu meinem ersten Usability-Test als Test-Person kann ich sagen: obwohl ich die Abläufe eines Usability-Testes aus der Theorie bereits kannte, war ich trotzdem nervös. Die Test-Begleitung hat mich gut aufgeklärt und durch den Test geführt, wodurch die erste Aufregung nach wenigen Minuten verflog. Mir sind diverse Punkte aufgefallen und die Test-Begleitung hat mir stets aufmerksam zugehört und Fragen gestellt. Das war mir wichtig – jede meiner Aussagen wurde ernsthaft aufgenommen. Damit sich der Test-User wohl fühlt, ist genau das wichtig. Selbstverständlich wird nicht alles umgesetzt, aber darum geht es auch nicht. Letztens habe ich mich natürlich auch über die Entschädigung gefreut. Der Grund für die Teilnahme war allerdings nicht das Geld, sondern die wertvolle Erfahrung zur Durchführung eines Usability-Tests.

 

Was ist Barrierefreiheit im Web?

Barrierefreiheit, auch Accessibility genannt, bedeutet wörtlich “Zugänglichkeit”. Der User soll durch die Benutzung einer Webseite nicht benachteiligt sein und die Seite einfach und zielführend bedienen können. Der Ansatz ist sogar gesetzlich in der Bundesverfassung vorgegeben. Konkretisiert wird die Vorgabe durch das Behindertengleichstellungsgesetz und in der Behindertenverordung. Kurz gesagt bedeuten die Gesetze, dass Seiten des Bundes für Behinderte ohne erschwerende Bedingungen zugänglich gemacht werden müssen. Für Private besteht hierzu keine Verpflichtung, allerdings dürfen keine Bevölkerungsgruppen diskriminiert werden. Wo hier die Grenze ist, weiss vermutlich niemand so genau. Soweit die Theorie.

Wenn man von Barrierefreiheit spricht, ist oft die Berücksichtigung von Menschen mit Behinderungen gemeint. Das Paradebeispiel dafür sind blinde oder sehbehinderte Personen. Es wäre allerdings falsch, Barrierefreiheit nur auf Personen mit Behinderungen zu reduzieren.

Acessibility hat einige Vorteile:

  • Sämtliche Personen können deine Webseite bedienen (vergrösserter User-Kreis)
  • Vorteile bei der Suchmaschinen-Indexierung
  • Übersichtlichkeit

Wer sich intensiv mit Search Engine Optimization (kurz SEO) beschäftigt, kommt um das Thema nicht herum. Wer folgende Punkte berücksichtigt, kann seine Barrierefreiheit und damit auch SEO bereits etwas verbessern.

  • Verwendung von HTML-Elementen, um Texte richtig auszuzeichnen (z.B. Überschriften)
  • Alt-Texte bei Bildern verwenden
  • Links mit einer Beschreibung versehen (“hier” und “mehr” unbedingt vermeiden)
  • Linearisierbarkeit (Dokument sollte vollkommen losgelöst von CSS verwendbar sein)
  • Einfache und logische Navigation
  • Grösse und Farbe von Buttons und Schaltflächen
  • Tastaturbedienung z.B. durch Tab-Taste (HTML-Attribut tabindex)
  • Inhalte mit einfach verständlicher Sprache und kurzem Satzbau
  • Flash vermeiden
  • Kontraste auf der Webseite

Das sind einige Vorschläge, wie die Barrierefreiheit für eine Webseite berücksichtigt werden kann. Die Aufzählung ist nicht abschliessend aber ich möchte nicht mit einer grossen Liste erschrecken. Einen ersten Schritt zu Accessibility erreicht man durch die Auseinandersetzung mit dem Thema. Wer auf Linearisierbarkeit, ALT-Texte und eine sinnvolle Link-Beschreibung achtet, hat bereits viel zur Barrierefreiheit beigetragen.

Einige Infos habe ich übrigens aus dem Buch “Grundkurs gutes Webdesign” von Björn Rohles.

Maslow meets Web

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow begründete einst die Theorie der Bedürfnispyramide, in der die menschlichen Bedürfnisse erklärt und gewichtet wurden. Aaron Walter und Björn Rohles übertrugen diese Theorie auf das Web. Selbstverständlich können die Stufen je nach Ansicht unterschiedlich interpretiert und die Reihenfolge anders priorisiert werden. Meiner Meinung nach fasst die Pyramide aber die wichtigsten Aspekte gut zusammen.

Web-Bedürfnispyramide

Stufe 1: Funktionalität

Eine Webseite muss funktional sein. Dazu gehören eine gute Lesbarkeit, Barrierefreiheit und reibungsloses Funktionieren der Hauptfunktionen.

Stufe 2: Zuverlässigkeit

Als erweiterte Basis dient die Zuverlässigkeit. Die Webseite sollte stets erreichbar, verlässlich und vertrauenserweckend sein. Fallen Server oft aus oder erwecken Misstrauen, verliert man das Vertrauen des Benutzers. Zur Zuverlässigkeit zählen auch Sicherheitsaspekte.

Stufe 3: Gebrauchstauglichkeit

Hier kommt die Usability zum Einsatz. Die Nutzung soll effizient und eifach gestaltet sein.

Stufe 4: Freude und Spass

Die Webseite soll einen gewünschten Eindruck bei den Nutzern erwecken. Dazu können positive und angenehme Assoziierungen gehören, die zum Projekt passend sind. Dies kann unter anderem durch eine gelungene Gestaltung erreicht werden.

Stufe 5: Selbstverwirklichung

Seit Web 2:0 steht der Nutzer noch mehr im Zentrum als vorher. Fühlt sich der Nutzer angesprochen, entsteht oft der Wunsch danach, etwas mit diesem Inhalt tun zu können. Zur Selbstverwirklichung zählen demnach Interaktion, Dialoge, Kommunikation und teilbare Inhalte.